Gun Love

Pearl lebt mit ihrer Mutter in ihrem Ford Mercury auf dem Besucherparkplatz eines amerikanischen Trailerparks – der Vordersitz ist ihr Kinderzimmer solange sie denken kann, der Wagen längst von Pflanzen überwuchert, nur im Kofferraum befinden sich noch Relikte aus einem früheren Leben. Ihre Mama Margot lehrt Pearl alles, was sie über das Leben wissen muss, ein untrennbares Mutter-Tochter-Gespann, bis eines Tages der schöne Eli und eine Menge Waffen auftauchen und sich Pearls Welt für immer verändert.

Mit wunderschönen Sätzen reiht Clement eine Geschichte aneinander, die, so absurd sie im ersten Moment klingen mag, ein äusserst präzises Bild der amerikanischen Unterschicht und kritisches Gesellschaftsporträt zeichnet. Eine Geschichte, die einen sowohl mit ihrer Schönheit als auch ihrer Ungeschöntheit in Atem hält und einem ein Mädchen an die Hand gibt, das man so schnell nicht mehr vergisst – schlicht grossartig!

Jennifer Clement – Gun Love

Suhrkamp 2018, 978-3-518-42832-0

Two can keep a secret

Ellery und ihr Zwillingsbruder kehren an den Ort zurück, an dem vor vielen Jahre ihre Tante spurlos verschwunden ist. Als kurz nachdem sie dort angekommen sind eine Morddrohung gegen die künftige Homecoming-Queen zirkuliert, kommen alle Erinnerungen an frühere Zeiten wieder hoch und damit auch die Angst, dass der Murderland-Killer zurück ist. Dieser hat bereits vor fünf Jahren die Homecoming-Queen ermordet.

Ellery beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und lernt dabei den jüngeren Bruder des Hauptverdächtigen kennen. Wird sie schlimmeres verhindern können?

Von der ersten Seite an spannend und packend, ein wahnsinnig spannender Jugendthriller. Für Jungs und Mädchen ab 14 Jahren.

Karen M. McManus – Two can keep a secret

CBJ 2020, 978-3-570-16538-6

Das Licht von tausend Sternen

Harper hat neben ihrem sorglosen Studentenleben ein zweites Leben zu Hause mit ihrer Familie. Sie kümmert sich zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter fürsorglich um ihren autistischen Bruder. Erst als sie Ashton trifft und sich Hals über Kopf in ihn verliebt, merkt sie, dass ihr etwas fehlt. Noch nie war sie einfach jung, ging auf Partys, verliebte sich…doch mit Ashton wird alles anders. Und auch er hat ein Geheimnis… Können die beiden den Spagat zwischen Familie und dem Leben als junge Erwachsene schaffen?

Ein gnadenlos kitschiger Roman für Frauen ab 16 Jahren. Ein Buch in dem frau sich einen Moment lang verlieren und die Welt rundherum vergessen kann.

Leonie Lastella – Das Licht von tausend Sternen

DTV 2020, 978-3-423-74057-9

Schwarzes Porzellan

Ein neuer Fall für die Berner Detektive Heinrich Müller und Nicole Himmel!

Eigentlich wollte die 80er Jahre Punkband «Black China» ein Reunion Konzert geben, doch plötzlich fehlt vom Sänger jede Spur – ein Grund die Detektei Müller & Himmel zu Rate zu ziehen. Doch als der verschwundene Sänger erfroren in den Berner Voralpen gefunden wird und der Bassist der Band tödlich verunglückt, beginnen sich die Ereignisse zuzuspitzen.

Ein charismatischer Berner Krimi mit Lokalkolorit für alle, die lieber Detektivromane als blutrünstige Thriller haben.

Pascal Lascaux, Schwarzes Porzellan

Gmeiner Verlag 2020, 978-3-8392-2591-2

Von schlechten Eltern

Nach Ninas Tod kehrt Tom mit seinem jüngeren Sohn zurück in die Schweiz. Frank, der ältere Sohn bleibt in Los Angeles, vorerst. Aber nach Ninas Tod ist sowieso nichts normal, wie könnte es auch. Nachts fährt Tom als Chauffeur internationale Führungskräfte und afrikanische Diplomaten durch die Schweiz, denn die Dunkelheit erträgt sich besser, als das Tageslicht. Und die Nächte in seltsam verzerrten Berglandschaften und endlosen Autobahnen bringen auch das Bild von Nina zurück und die Trauer, die nach wie vor an Tom klebt wie Kaugummi im Haar. Aber irgendwo muss doch ein Leben zu finden sein, eine Zukunft, für sich und seine Familie und immer wieder Nina und die ganze Menschheit…

Tom Kummers neuer Roman schliesst an die Geschichte von «Nina und Tom» an, zeichnet die angefangenen Charakterprofile von Nina und Tom weiter, rollt deren Geschichte auf, die wohl nie endet und auch nie enden soll. Mit ganz wenigen Worten erhebt sich Toms grosse Liebe Nina allgegenwärtig aus dem Text, die Zärtlichkeit so gross wie die Trauer über den Verlust – eine Wucht das Buch!

Tom Kummer, Von schlechten Eltern

Tropen 2020, 978-3-608-50428-6

Dad

Dad ist tot – auf einer seiner Reisen hatte er sich schliesslich mit HIV infiziert. Aber wer genau ist der eigene Vater eigentlich gewesen? Dieser Mann, der für seine Tochter Marlene gar nie so richtig da war, der in den wilden 60ern, 70ern, 80ern, 90ern gar nie zur Ruhe gekommen ist, sondern seine Freiheit in allen Winkeln der Welt suchte?

Marlene begibt sich auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, denen, die er bei seltsamen Freunden, in fremden Ländern und in ihrem Herzen hinterlassen hat.

Mit ihrem Debütroman Nora Gantenbrink ein aussergewöhnliches Stück Literatur gelungen, feinfühlig und ungeschönt ehrlich, humorvoll und traurig, sehnsuchtsvoll und ernüchtert zugleich. Ein Roman, der weit über die eine Vaterfigur hinausgeht, über die Beziehung von Vater und Tochter und wie sie einen prägt.

Nora Gantenbrink , Dad

Rowohlt 2020, 978-3-498-02535-9

Ein halbes Herz

Nach dem Bestseller «Das rote Adressbuch» liegt nun der neue Roman der schwedischen Autorin Sofia Lundberg vor!

Die schwedische Fotografin Elin steht mitten im Leben, sie ist glücklich verheiratet, Mutter einer wunderschönen Tochter und für ihre Arbeit in New York gefeiert. Doch die Frage danach, wie sie von Schweden nach New York kam, drängt nicht nur den Leser, sondern auch ihre Familie, die sie nicht in ihr Inneres schauen lässt. Als eines Tages ein Brief aus Schweden eintrifft, werden Elins Vergangenheit und gut gehütete Geheimnisse gehörig aufgewirbelt – die Konfrontation ist unumgänglich. Elin begibt sich auf eine Reise, die sie nicht nur ins Innere ihrer eigenen Familie führt, sondern auch auf die Spuren einer langjährigen Schuld.

Ein schmerzhaft schönes Buch über unsere Wurzeln und Herkunft, die uns bleiben, egal wie weit wir uns davon zu entfernen versuchen.

Sofia Lundberg: Ein halbes Herz

Goldmann 2020, 978-3-442-31494-2

Hör mir zu, auch wenn ich schweige

Dieses Buch war das erste, das ich mir aus dem Stapel der Frühjahres-Leseexemplare ausgesucht haben, die uns Buchhändlerinnen wunderbarerweise von den Verlagen zur Verfügung gestellt werden. Und es war ein guter Griff! Das Ehepaar Maggie und Frank hat schon lange kein Wort mehr gewechselt. Bis Maggies Leben plötzlich auf der Kippe steht. Beziehungen sind derart fragil, und was habe ich mit Frank und Maggie mitgefiebert, dass ihre gemeinsame Geschichte noch nicht zu Ende sei? Schweigen ist so viel mächtiger als viele Worte und kann in unserem täglichen Miteinander so unendlich viel zerstören. Ein wirklich gelungener Roman, dem es zu keiner Zeit an Spannung fehlt und der uns viel über uns selber lehrt.

Greaves, Abbie: Hör mir zu, auch wenn ich schweige

Fischer Verlage, 2020, 978-3-8105-3068-4

Die Toten von Marnow

In der Hitze des Sommers 2003 ermittelt das Duo Lona Mendt und Frank Elling in einem grausamen Mordfall, der sich schnell als Auftakt einer ganzen Serie entpuppt. Die Spur führt die beiden in die Vergangenheit und lässt Verstrickungen der Behörden in ein ungeahntes Verbrechen erahnen. Dabei müssen Mendt und Elling aufpassen, dass sie selber nicht zu sehr vom Weg abkommen.

Holger Karsten Schmidt ist mit diesem Krimi ein toller Anfang einer neuen Serie gelungen, auf die wir uns alle freuen dürfen!

Schmidt, Holger Karsten: Die Toten von Marnow

Kiepenheuer & Witsch 2020, 978-3-462-04794-3

Was wird sind

Wohin führt uns das Leben? Mitte dreissig hadern die drei Freundinnen Hannah, Lissa und Cate mit der Realität, in der sie angekommen sind. Hannah wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind mit ihrem Ehemann Nathan. Aber was, wenn auch die dritte künstliche Befruchtung fehlschlägt?

Lissa hat statt einer Schauspielkarriere einen Job im Callcenter. Jedes Vorsprechen ein weiterer Funken Hoffnung darauf, auf der Bühne zu glänzen, respektive die Angst, weiter zu versagen. Cate zieht nach der Geburt ihres Sohnes zur Familie ihres Mannes. Was sie möchte oder wirklich fühlt, weiss sie selbst nicht mehr. Vor Jahren lebten die drei Frauen frei und rebellisch in einer Wohngemeinschaft mitten in London. Nun trennt sie einiges. Und trotz allem scheint das dünne Band zwischen ihnen zu halten.

Anna Hope ist ein Roman gelungen, der genau in diese Zeit gehört. Was, wenn unsere Wünsche, Träume und Sehnsüchte, die ja so erreichbar scheinen, nicht erfüllt werden? Reicht uns die Realität?

Anna Hope: Was wir sind

Hanser 2020, 978-3-4462-6563-9